Positiver Eindruck der Entwicklungen im Garden Café

Wir haben das Youth-Projekt „Garden Café“ in Okahandja während unseres Urlaubs am 19. und 20. Juni besucht. Mein erster Eindruck hat sich über die Stunden, die wir dort verbrachten, immer weiter bestätigt. Es hat sich in den letzten 9 Monaten offensichtlich sehr viel verändert und dies deutlich weiter zum Positiven. Die einfachen und leicht mess- oder bewertbaren Auffälligkeiten will ich natürlich nicht verschweigen. Es gibt inzwischen einen Besucherparkplatz hinter dem Garden Café, der sogar eingezäunt ist. Dies trägt zu einem noch sicheren Gefühl bei, wenn man das Café besucht und den Wagen nicht einfach auf der Straße stehen lassen muss.

Das Café ist jetzt nicht mehr nur vom bisher einzigen Eingang über die Seitenstraße zu erreichen, sondern es wurde eine Übereinkunft mit dem Eigentümer des Geländes getroffen, sodass Tore geöffnet wurden und die Besucher / Passanten direkt von der Hauptstraße durch eine Zuwegung im Gebäudekomplex das Café erreichen können. So fügt sich das Café wesentlich besser in das Stadtbild und in das ‚Bummelverhalten‘ von Einheimischen und Touristen ein.
 
Und noch 2 weitere Kleinigkeiten, die auch deutlich in die wirtschaftliche Ausrichtung zielen: Es wurden einige Gerichte von der Speisekarte gestrichen, die weder von den Einheimischen noch von Touristen regelmäßig angefragt wurden. Und die andere interessante Veränderung ist der neu eingeführte Lieferservice. Wenn ein Kunde eine entsprechende Bestellsumme erreicht und geliefert haben möchte, dann schwärmen die Jungen des Cafés auch gerne mal aus und liefern die Bestellung schnellstmöglich in Plastiktüten aus. Hier könnte ein Fahrrad zum Ausliefern durchaus ein lohnendes Objekt werden!!!

Ich denke, eine weitere, fühlbare Veränderung brachte auch der Umzug von Catherine und Tony direkt über das Café in eine kleine 2-Zimmer-Wohnung. Dadurch können sich die beiden ihre Zeiten noch besser einteilen und es gibt ihnen mehr Flexibilität. Auch nutzen sie ihre Wohnung für Einzelunterricht und Einzelgespräche mit den Studenten, wenn im Café dafür kein Raum zur Verfügung steht. Auch eine Auszeit ist so viel einfacher zu realisieren. 6 Tage die Woche rund um die Uhr mit sich und den Studenten ist sicherlich sehr fordernd. Jetzt haben die beiden eindeutig mehr Luft, um auf Eventualitäten besser reagieren zu können.

Am meisten war ich aber von der persönlichen Entwicklung der Studenten beeindruckt. Natürlich kann ich mir hier nur ein Bild über die Studenten machen, die ich im letzten Jahr kennengelernt und interviewt habe. Aber auch schon bei den neuen Studenten konnte ich innerhalb der beiden Tage, an denen ich mehrere Stunden vor Ort war, vielversprechende Anzeichen für eine sehr positive Entwicklung wahrnehmen. Hier einige Beispiele, die meinen Eindruck widerspiegeln sollen: David (ihn habe ich letztes Jahr als Student der 2. Klasse interviewt). Bei seiner Videobotschaft wirkte er zwar sehr aufgeräumt und hat relativ ruhig gesprochen, aber er war vor und nach der Videoaufzeichnung sehr aufgeregt. Folgende Situation ergab sich: Die anwesenden 9 Studenten des Garden Café haben sich zu einer gemeinsamen Danksagung an die Spender aufgestellt und suchten jetzt jemanden, der das Wort führen und somit in der Mitte stehen sollte. Es dauerte nur wenige Sekunden und die Gruppe war sich einig: David sollte es sein. Ohne lange darüber nachzudenken, trat er in die Mitte, erkundigte sich, was er sagen sollte und war bereit für die Generalprobe. Wäre diese Situation im letzten Jahr passiert, ich bin mir ziemlich sicher, dass er davongelaufen wäre oder sich zumindest massiv gegen seine Benennung gewährt hätte. Jetzt trat er wie selbstverständlich, fast schon als hätte er auf seine Nominierung gewartet, nach vorne. Er war so selbstbewusst und selbstsicher, als könne ihm nichts und niemand etwas anhaben. Dieses Erlebnis war für mich sehr beeindruckend und ich war auch sehr berührt. Wenn ich mir jetzt wieder die Situation vor Augen führe, komme ich wieder ins Schwärmen, wie offensichtlich erfolgreich dieses Projekt den Studenten weiterhilft. Es macht mich sehr stolz und motiviert mich, hier ein kleiner Bestandteil des Ganzen sein zu dürfen.

Ein weiteres sehr positives Beispiel ist Jacky. Ein typischer Jugendlicher, der, bevor er als Student ins Garden Café kam, alles besser wusste als alle anderen, nur vor sich hingelebt hat und einem Suizid sehr nahe war. Er war so auffällig laut, dass ich ihn ermutigen musste, seine Geräuschentwicklung etwas zu reduzieren, während ich mit anderen die Interviews drehte. Das klappte dann auch und unmittelbar vor meinem Interview mit ihm, war er plötzlich sehr kleinlaut und aufgeregt. Ich befürchtete schon, dass ein Interview mit ihm nicht klappen würde. Aber als die Kamera lief und Jacky über sich und die Erkenntnisse im Projekt reden konnte, war er plötzlich wie ausgewechselt. Es sprudelte nur so aus ihm heraus. Dabei aber dennoch bedacht und in so tiefer Demut, dass ich mir beim Zuhören die Tränen verkneifen musste. Warum ist Jacky ein weiteres sehr positives Beispiel für die erfolgreiche Arbeit von Catherine und Tony? Weil er im Interview so nachhaltig aufgezeigt hatte, wie er von einem verzweifelten und suizidgefährdeten Jugendlichen zu einem jungen Mann gereift ist, der schon jetzt seine Berufung darin sieht, das Gelernte anderen weiterzugeben. Vor allem auch die Botschaft des Herrn zu vermitteln, vor dem Hintergrund, dass, wenn man keine Perspektive mehr hat, man sich das Opfer des Herrn, das Er für uns gebracht hat, vor Augen führen sollte, um sich daran auszurichten und neu zu motivieren. Nun bin ich nicht der Gläubige, aber was und wie er es beschrieben hat, hat mich schon sehr berührt. Dieses Interview ist auch auf der ‚Wem‘-Seite zu sehen.

Rosalia ist ein weiteres sehr faszinierendes Beispiel. Sie war nie wirklich eine Studentin im Café, sondern eher ein Glücksfall für die Betreiber. Als das Projekt gestartet wurde und die ersten Studenten in die Ausbildung gingen, benötigte das Garden Café auch schon die ersten Kräfte, die beim Betreiben unterstützen konnten. Rosalia hat sich beworben, wurde genommen, angelernt und ist heute immer noch im ‚Einsatz‘ und die gute Seele des Cafés. Rosalia hat vor 9 Monaten auch oder gerade durch die Unterstützung durch das Garden Cafe ihren 2. Jungen bekommen und ist wieder im Einsatz. Zusätzlich erstellt Rosalia in ihrer Freizeit Schmuck aus Perlen und versucht diese für wirklich wenig Geld zu verkaufen, um etwas mehr für die Familie zu verdienen. Auch ihr Mann trainiert in Okahandja mehrere Fußballteams und unterstützt damit auch die Förderung der Jugendlichen. Was hat mich an ihr so begeistert ? In einem sehr langen Gespräch hat sie mir sehr viel über ihr Leben vor dem Garden Café erzählt. Ihr positive und motivierende Ausstrahlung hat es mir angetan. Es geht ihrer Familie speziell durch das Garden Cafe besser, aber sicherlich noch nicht wirklich gut. Inzwischen hat die Familie zu Hause einen Wasseranschluss, aber Strom ist leider noch nicht verfügbar. Und neben den Herausforderungen des täglichen Lebens versucht sie ihre Erkenntnisse, dass, was sie bisher gelernt hat, an ihre Nachbarn weiterzugeben. Dies ist auch ihr aktuelles Ziel: in ihrer Nachbarschaft das Erlernte zu vermitteln.

Joseph ist Student der 1. Klasse und hat bis Ende des letzten Jahres im Garden Café als Koch gearbeitet. Es gibt bereits ein Video mit ihm und jetzt ein weiteres, in dem er einen kurzen Überblick über seine aktuellen Ziele mitteilt. Er hat sich fest vorgenommen, so schnell wie irgend möglich, ein eigenes kleines Restaurant aufzumachen, in dem er dann eigene Kreationen servieren möchte. Um dies zu erreichen, muss Joseph zuerst das nötige Kleingeld dafür verdienen und daher hat er einen Job als Fernfahrer angenommen. Er fährt die Strecken von Johannesburg und Kapstadt nach Windhoek. Wenn er danit genügend Geld verdient hat, dann will er das erwähnte Restaurant eröffnen und auch seine Freundin heiraten und ihr dann eine sichere/bessere Zukunft bieten. Respekt !!!
 
 
 
Frank